Achtung bei Virusmeldungen

Derzeit erhalten wir täglich mehrere Mails und Anrufe, die von derselben Problematik handeln. Während die Konsumenten im Internet gesurft haben, tauchte auf ihrem Bildschirm plötzlich eine großflächige Warnung auf. Angeblich sei das Gerät von einem Virus befallen, sie sollten sofort die angezeigte Telefonnummer anrufen. Sonst würde das Gerät vom Netz genommen. Der Virus, ein Trojaner, hätte sämtliche Daten und Passwörter gestohlen.

 

Falscher Kundendienst

 

Es ist eine bekannte Masche, die derzeit offenbar wieder vermehrt auftritt. In der Meldung ist ein bekanntes Logo eingeblendet, z.B. von Microsoft, um das Vertrauen der Konsumenten zu erwecken. Diese rufen bei der Telefonnummer an, in dem Glauben, sich an eine Servicestelle ihres Geräteanbieters zu wenden. Dort wird ihnen erklärt, das Problem könne leicht behoben werden, allerdings sei dafür ein Zugriff auf den PC notwendig. Wenn der Konsument das erlaubt, hat die angebliche Servicefirma uneingeschränkten Zugang zu allen Dateien und Daten. Laut der Schilderung der betroffenen Konsumenten wird daraufhin jede vorhandene Firewall deinstalliert. Dann werden alle Passwörter offen angezeigt, mit der Behauptung, der Trojaner hätte diese aufgedeckt.

 

Kurzfristige Lösung - langfristige Bindung

 

Dann die "Hiobs-Botschaft": Für die Problembehebung soll der Konsument einen Vertrag mit der angeblichen Servicefirma, "Bester PC", abschließen. Es werden verschiedene Modelle angeboten, von sechs Monaten bis hin zu zwei Jahren. Angeblich würden Techniker die akute Situation in wenigen Stunden lösen, danach gäbe es für die restliche Vertragsdauer kostenlosen Support.

 

Wenn man zustimmt, wird am Bildschirm ein ewig langer Vertragstext angezeigt. Die Stimme am Telefon versichert: Das brauchen Sie sich nicht durchlesen, einfach weiterklicken und bestätigen. Dann muss man seine Zahlungsdaten bekannt geben und bekommt eine nichtssagende Mail ohne Vertragsbedingungen.

 

Im Endeffekt passiert die nächsten paar Stunden nichts Wesentliches. Ab und zu wird ein Programm geöffnet oder geschlossen, irgendwann das Gerät abgedreht. Von einer Lösung des "Problems" kann keine Rede sein.

 

Das Spiel mit der Angst

 

In Wahrheit gab es keinen Trojaner oder irgendeinen anderen Computervirus. Die Warnmeldung ist eine Art Werbeanzeige, die auf die Angst der Menschen abzielt. Natürlich ist die Vorstellung, dass meine gesamten privaten Daten gestohlen worden sind, erstmal ein Schock. Da möchte man sofort handeln und einen Experten zur Seite haben, der das Problem schnell und kompetent löst. Mit diesen Gefühlen wissen die dubiosen Firmen leider bestens umzugehen.

 

Tipps des EVZ

 

Sollte eine Warnmeldung auf Ihrem PC, Laptop, Tablet oder Smartphone auftauchen, empfehlen wir folgendes:

  • Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren.
  • Prüfen Sie, ob sich die "Warnung" wegklicken lässt und ob Ihr Gerät weiterhin funktioniert.
  • Rufen Sie keinesfalls die angezeigte Telefonnummer an und befolgen Sie auch keine anderen aufscheinenden Anweisungen.
  • Kontaktieren Sie im Zweifel die offizielle Servicestelle Ihres Geräteanbieters.

Sollten Sie bereits einen Vertrag mit "Bester PC" oder ähnlichen Firmen abgeschlossen haben:

  • Erklären Sie schriftlich Ihren Widerruf vom Vertrag innerhalb von 14 Tagen (siehe Beispieltext unten) per E-Mail mit Lesebestätigung. Die Adresse für "Bester PC" ist unseres Wissens contact@bester-pc.com.
  • Sollten Sie keine ordnungsgemäße Belehrung über Ihr 14-tägiges Widerrufsrecht erhalten haben, verlängert sich diese Frist.
  • Bitten Sie Ihre Bank um eine Rückbuchung des bezahlten Betrages.
  • Sollten Sie persönliche Daten bekannt gegeben haben: Ändern Sie sämtliche Passwörter und sperren Sie ggf. Ihre Kredit- bzw. Bankomatkarten.
  • Setzen Sie Ihr Gerät neu auf. Falls Sie das alleine nicht können, holen Sie sich Hilfe von einem seriösen Profi.

Beispieltext für Ihren Widerruf:

Ich erkläre hiermit von dem am "Datum" eventuell online mit Ihnen geschlossenen Vertrag über "Produktname" zur Order No. "1234XY" den Widerruf gemäß den Fernabsatzbestimmungen innerhalb offener Frist.
Überdies fechte ich den gegenständlichen Vertrag aus jedem anderen tauglichen Rechtsgrund an.

Ich fordere Sie daher auf die Rechnung zur Order No."1234XY" auszubuchen und mir binnen 14 Tagen zu bestätigen, dass die Angelegenheit damit erledigt ist.