Falsches Spiel mit Lotterien

Immer wieder erhalten Konsumenten Anrufe, die angeblich von Euromillionen oder anderen vermeintlichen Lotterieanbietern kommen. Dabei handelt es sich oft um Versuche, den Konsumenten Kontodaten zu entlocken.

 

Solche unseriösen Firmen haben verschiedene Strategien entwickelt:

 

Sie behaupten, man habe an der Lotterie teilgenommen und gewonnen. Um den Gewinn zu erhalten, müsse man die Kontodaten angeben.
Man habe die Zusage gegeben, mitzuspielen. Nun würde man dem Anbieter Gebühren schulden. Um diese zu begleichen, müsse man die Kontodaten angeben.
Man hätte mitgespielt und dadurch eine Art Mitgliedschaft oder ein Abo abgeschlossen. Für eine Kündigung müsse man die Kontodaten angeben.

 

Prinzipiell gilt: Man kann nur an einer Lotterie teilnehmen, wenn man aktiv in einer Trafik oder im Internet einen Lottoschein gekauft und ausgefüllt hat.

 

Spielgemeinschaften

 

Es gibt auch sogenannte Spielgemeinschaften. Das klingt anfangs verlockend, denn es wird mit der Möglichkeit geworben, günstiger Lotto zu spielen. In Wahrheit teilen sich mehrere Personen die Kosten für Lotteriescheine – aber eben auch den Gewinn. Achtung: Hier geht man in vielen Fällen tatsächlich eine Mitgliedschaft ein, das heißt, man ist für eine gewisse Zeit gebunden!

 

"Cold Calling"

 

Wenn Sie einen plötzlichen Anruf zu Werbezwecken von einer Ihnen unbekannten Firma erhalten, spricht man von sogenanntem Cold Calling. Sollten Sie im Zuge eines solchen Anrufes zur Teilnahme an einer Lotterie überredet worden sein, besteht kein Grund zur Sorge. Denn solch ein Vertrag ist nach österreichischem Recht „nichtig“, d.h. unwirksam. Auf unserer Website finden Sie dazu einen Musterbrief, den Sie an solche Firmen schicken können.

 

Beispiel

 

Ein Konsument, der über eine längere Zeitspanne von solchen Anrufen belästigt wurde und sich  hilfesuchend an das Europäische Verbraucherzentrum Österreich gewandt hat, schildert einen dieser Anrufe folgendermaßen:

 

 

Der Konsument erhielt einen Anruf der Nummer 0010023200100. Er dachte, es sei ein Freund aus den USA und nahm ab.


Ein Herr XY von der EUROMILLION meldete sich und teilte ihm mit, dass er bei EUROMILLION mitspielen würde. Der Konsument unterbrach ihn und sagte, dass er laufend solche Anrufe erhalte und  bisher jedem Anrufer mitgeteilt hätte, dass er aus prinzipiellen Gründen bei keinem Gewinnspiel mitspiele und noch nie eine Gebühr bezahlt habe.


Herr XY antwortete: "Ok, wenn Sie nicht mehr wollen, dann werde ich veranlassen, dass Sie aus allen Listen gestrichen werden, allerdings dauert diese Kündigungszeit drei Monate, es entstehen für Sie keine Kosten, wollen Sie das?"


Konsument antwortete: "Ja, ich will."


Herr XY: "Damit ich Sie streichen kann, benötige ich Ihre Kontonummer."


Konsument: "Ich bin im Wald und habe keine Daten mit."


Herr XY: "Das macht nichts, ich habe Ihre Kontonummer."


Konsument: "Wozu brauchen Sie dann meine Nummer?"


Herr XY: "Zur Kontrolle, aber machen wir es etwas anders: Ich sage Ihnen Ihre Nummer, Sie merken sich diese Nummer und sagen sie der Dame, die Sie in Kürze anrufen wird."


Konsument: "Was soll das?"


Herr XY: "Die Dame sorgt dafür, dass Ihr Vertrag in 3 Monaten gelöscht wird."


Konsument: "Wenn das wirklich stimmt und ich dann eine Ruhe habe – BITTE SEHR."


Herr XY: "Zur Abschlusskontrolle noch eine Frage: Wann haben Sie Geburtstag?"


Der Konsument nannte ein Datum, auf jeden Fall nicht sein Geburtsdatum.


Herr XY: "Stimmt – ich verbinde Sie jetzt mit der Dame."


Es kam kein extra Anruf, sondern der Konsument wurde sofort verbunden, hatte gar keine Zeit zum Nachdenken, schon war eine Frau YZ am anderen Ende der Verbindung.


Frau YZ: "Das Gespräch wird aufgezeichnet. Bitte beantworten Sie meine Fragen, wir benötigen nur eine Minute, dann sind alle Ihre Daten in 3 Monaten gelöscht."


Konsument: "Sie haben ja meine Daten, wozu der Blödsinn?"


Frau YZ: "Dient nur zur Kontrolle."


Konsument: "Ok."


Frau YZ: "Bitte um Ihre Kontonummer."


Konsument: "Ich bin beim Wandern und weiß meine Nummer nicht, aber Herr XY hat sie mir gesagt, die Nummer ist…"


Frau YZ: "Einen Moment, ich habe Sie nicht verstanden, bitte nochmals, aber sagen Sie bitte nicht, Herr XY hat gesagt!!"


Frau YZ beginnt wieder mit der gleichen Prozedur der Aufzeichnung etc.


Der Konsument nennt dann die Nummer, die ihm von Herrn XY gesagt worden war, ohne zu wissen, ob die Nummer tatsächlich seine Kontonummer ist.


Nach drei Stunden kam er nach Hause und überprüfte die Nummer, es war tatsächlich seine Kontonummer.


Frau YZ, irrsinnig schnell: "Danke, wir buchen monatlich 46,00 EURO von Ihrem Konto ab, wenn Sie nichts gewonnen haben, bekommen Sie 92,00 EURO retour. Auf Wiederhören!"


Der Konsument wollte antworten, aber sie hatte schon aufgelegt.

 

Am Ende des Gespräches wollte der Konsument sofort zurückrufen und probierte  es wiederholt. Es kam immer die Meldung: "Der Dienst wird nicht angeboten."

 

 

Vorsicht bei Aufnahme

 

Die Schilderung des Konsumenten lässt vermuten, dass die Firma auf bestimmte Sätze abzielte. Denn in einigen Fällen wird die Aufnahme des Gesprächs später so geschnitten, dass nur die angebliche Zustimmung des Konsumenten sowie dessen Kontodaten zu hören sind. Diesen Zusammenschnitt legen unseriöse Firmen dann als Beweis für den freiwilligen Vertragsabschluss vor. Daher sollte man bei Telefonaten, die aufgenommen werden, besondere Vorsicht walten lassen.

 

Weitere Tipps

 

Post genau kontrollieren! Für den Fall, dass Ihnen ein Willkommensschreiben oder eine Anmeldebestätigung zugesandt wird, sollten Sie unbedingt darauf reagieren. Das heißt, solche Schreiben nicht einfach wegwerfen, sondern der jeweiligen Firma einen eingeschriebenen Brief schicken. Dieser sollte folgendes enthalten: Erstens, dass man einer Teilnahme an dieser Lotterie nie zugestimmt hat bzw. falls doch, dass dieser Vertrag nichtig ist, da es sich um Cold Calling handelt (siehe oben). Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man außerdem den Rücktritt von eventuell bestehenden Verträgen erklären (siehe Musterbrief).