Online-Gütesiegel auf dem Prüfstand

In dem Bericht "Kann ich Gütesiegeln trauen?" des Netzwerkes der Europäischen Verbraucherzentren (EVZ) erhalten Konsumenten einen Überblick über 54 Online-Gütesiegel, die in der EU existieren.

 

EVZ-Bericht zeigt große Differenzen in Europa

 

Der Bericht geht darauf ein, welche Kriterien Homepages erfüllen müssen, um ein Gütesiegel zu erhalten. Dabei geht es hauptsächlich um die Bereiche gute Handelspraktiken, Sicherheit und Privatsphäre. Ein wesentliches Problem ist laut dem EVZ-Netzwerk die sehr große Bandbreite an vorhandenen Kriterien.

 

573 Konsumenten aus 19 europäischen Ländern haben an einem Online-Fragebogen teilgenommen. Die Resultate zeigen, dass der Großteil der Konsumenten zwar Vertrauen in Gütesiegel hat, aber sehr wenig über Kriterien und Seriosität bzw. Vertrauenswürdigkeit derselben weiß. Für den Bericht wurden 54 Gütesiegel aus Konsumentensicht analysiert. Sowohl innerhalb einzelner Länder als auch über die Grenzen hinweg wurden große Unterschiede deutlich.

 

EVZ sieht Handlungsbedarf

 

Detaillierte Tabellen in dem Bericht erlauben es Konsumenten, sich schnell und einfach einen Überblick zu verschaffen. Darin vermerkt sind unter anderem auch, ob die Möglichkeit besteht, das Gütesiegel wieder zu entziehen, wie der Zertifizierungsprozess abläuft, ob es Inspektionen gibt etc.

 

Folgende Bereiche könnten laut dem EVZ verbessert werden:

  • Verpflichtung zur Einbindung von ADR/ODR-Richtlinien (Alternative Dispute Resolution/Online Dispute Resolution)
  • Der Gütesiegel-Anbieter sollte auf seiner eigenen Homepage sowie auf den von ihm ausgezeichneten Websites eine Beschwerdemöglichkeit für User entwickeln, falls diese Probleme mit zertifizierten Händlern haben.
  • Transparente Regeln für Kontrollen
  • Mehrsprachiges Informations- und Serviceangebot

 

Mehr Einheitlichkeit gefordert

 

Das EVZ-Netzwerk empfiehlt, dass Gütesiegel auf der Grundlage von einheitlichen Regeln vergeben werden. Dazu ist es notwendig, zumindest ein Set von Mindeststandards auf gesamteuropäischer Ebene zu entwickeln. Es sollte für Konsumenten einfacher werden, sich über die Konzepte hinter den Gütesiegeln zu informieren.

 

Die Erhebung hat außerdem gezeigt, dass 82 Prozent der Konsumenten vor dem Kauf Kundenrezensionen lesen. Nach Meinung des EVZ ist es daher wichtig, dieses Instrument fortlaufend zu kontrollieren, zu bewerten und zu evaluieren, damit es Konsumenten auch in Zukunft unterstützt und nicht missbräuchlich verwendet wird.