Enttäuschte Frau mit Kreidtkarte in der Hand vor einem Laptop Beim Versuch einen Strafregisterauszug online zu bestellen in die Falle getappt  |   Bild: Fizkes / Shutterstock

Abzocke beim Online Strafregisterauszug

Viele, die für eine Anstellung ein polizeiliches Führungszeugnis benötigen, landen nach Anklicken einer bezahlten Anzeige auf Google bei registerwegweiser.info oder fuehrungszeugnis.at. Diese und ähnliche Seiten suggerieren, dass man dort online einen Strafregisterauszug bekommen kann. Der Ärger von Konsumentinnen und Konsumenten ist nach dem Bezahlen groß, da sie stattdessen nur eine Anleitung auf ein paar PDF-Seiten erhalten. So eine Anleitung erklärt lediglich, wie der Antrag bei der echten Behörde zu stellen ist. Für die eingezahlten 20 Euro erwarten sich Kunden aber das Dokument, keine bloße Anleitung. Die Information darüber, wie man online vorgehen soll, ist auch ohne Bezahlung gratis auf den Seiten der wirklichen Aussteller abrufbar.

Bei registerwegweiser.info überlesen Interessenten den Satz, dass es sich bei der kostenpflichtigen Bestellung nur um eine Schritt für Schritt Anleitung handelt. Dieser Irrtum wird einem leicht gemacht, denn darüber prangt die Überschrift "Bestellen Sie Ihre Strafregisterbescheinigung online". Wenn man die Suchbegriffe "Strafregister" und "bestellen" googelt, spuckt Google ebendiese Seite als zuerst gereihte Anzeige in den Ergebnissen aus. Das Logo links in der Kopfzeile der aufgerufenen Seite mit der kleinen schräg angeschnittenen Österreichflagge und schwarzem Schriftzug sieht denen von Ministerien, Botschaften und anderen staatlichen Institutionen sehr ähnlich und vermittelt einen offiziösen Eindruck. Viele, die dem Ergebnislink auf Google folgen, lesen die Texte auf der Seite aber nicht achtsam genug.

Ähnlich verfährt fuehrungszeugnis.at oder leumundszeugnis.at, hier gibt es linkerhand eine Liste mit österreichischen Gemeindenamen, die suggeriert, dass man bei Klick bei der Bestellung durch die betreffende Gemeinde gelandet sei. Auch hier steht weiter unten auf der Seite im Text zwar der Satz, dass es sich nur um eine Anleitung handelt. Dennoch, darüber in Nähe des Bestellbuttons steht "Führungszeugnis online beantragen, ohne Wartezeit auf dem Amt - bequem von zu Hause online anfordern mit unserer Anleitung." Wer nicht weiterscrollt, kann aufgrund der Formulierung sehr leicht davon ausgehen, dass hier das eigentliche Dokument online zu bekommen ist.

Screenshot des Warenkorbes im Bestellformular Screenshot eines Teils des Bestellformulars  |  Bild: IGV Konzept GmbH - Screenshot 27.10.2021

Sobald man auf der Seite registerwegweiser.info den orangen "Jetzt Bestellen" Button oben rechts anklickt, öffnet sich das Bestellformular. Links die Eingabemaske für die persönlichen Daten, rechts der angezeigte Warenkorb und die Bezahlarten. Hier steht neben dem Produkt "Strafregisterbescheinigung bestellen". Das ist lauf FAGG (Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz) problematisch formuliert. Laut der darin vorgeschriebenen Buttonlösung muss beim Bestellvorgang für Kunden klar erkennbar sein, was sie für die Zahlung bekommen werden.

Es verwundert daher nicht, dass erboste Kunden in Onlinekommentaren immer wieder den gleichen Hergang schildern und ihrer Empörung über nicht erhaltenen Behördendokumente Luft machen. Auch beim EVZ Österreich liegen entsprechende Beschwerden vor. Vor solchen Firmen warnen sehr viele Rezensionen geprellter Kunden auf Google oder auf GuteFrage.net, Warnseiten darüber gibt es von der deutschen Verbraucherzentrale, dem deutschen Verbraucherschutz, der österreichischen Watchlist Internet, der ORF Help Redaktion, als auch vom Schweizer Rundfunk.

Weitere Online-Fallen, die kostenpflichtig nur Anleitungen statt der vermeintlichen Dokumente versenden:

  • amtsweg.com
  • dienstweg.info
  • fuehrungszeugnis.org
  • bundeszentralregister.net
  • selbstauskunft.de
  • selbstauskunft-anfordern.de
  • führungs-institut.de

 

Scan eines Österreichischen Strafregisterauszuges Ein österreichischer Strafregisterauszug ohne Einträge  |  Bild: Bundeskanzleramt / Mag. Gregor Schmied

Der Schmäh mit den Anleitungen ist nicht neu. Wir kennen die Praxis, mit einer möglichst offiziell aussehenden Seite und gezielt unklaren Formulierungen in die Irre zu führen etwa vom "Verkauf" von Reisevisa, Grundbuchauszügen oder Corona-Einreiseformularen in gewisse Länder. Nach dem Bezahlen wurde auch hier statt dem eigentlichen Service nur an die staatlichen Stellen weitervermittelt oder eben nur Anleitungen bereitgestellt. Im Fall der Strafauszüge wechselten die Betreiber schon öfter den Firmensitz oder die Domain, wie sich aus dem Unternehmensregister oder den Warnmeldungen der letzten Jahre ableiten lässt. An keiner Stelle ist es möglich von diesen Seiten ein Führungszeugnis zu bestellen, wie es die Google Anzeigen vermuten lassen würden.

Was tun? Ablehnen und Rückfordern!

Das Zivilrecht ermächtigt zum Schutz der VerbraucherInnen eine Rückabwicklung des Vertrages bei Irrtum und List durch einen Anbieter.

  • Wenn Sie wie oben beschrieben in die Irre geführt wurden, sollten Sie den Betreiber schriftlich auffordern das bezahlte Geld zu retournieren. Sie können dafür den unterhalb verlinkten Musterbrief verwenden.
  • Falls Sie per Kreditkarte oder Paypal bezahlt haben, empfehlen wir zusätzlich über den Bezahldienst eine Rückbuchung - ein sogenanntes Chargeback - einzuleiten. Begründen Sie im Falle einer Rückfrage seitens der Zahlungsabwickler den Schritt mit nicht erbrachter Leistung nach Irreführung.
Piktogramm zum Thema "Chargeback"

Chargeback

Die Betreiber dahinter

Erst beim Klick auf die Widerrufsbelehrung auf registerwegweiser.info erfahren wir, dass die IGV Konzept GmbH aus Berlin die Webseite betreibt. Der im Impressum der Seite eingetragene Verantwortliche hat als Firmensitz ein Dorf im türkischen Teil Zyperns angegeben, also außerhalb der Gerichtsbarkeit der EU. Bei der "Yukon GmbH" handelt es sich um eine in Düsseldorf eingetragene Firma, die "E-Books" verkauft. Diese betreibt mehrere Webseiten, die nach dem gleichen Schema verfahren.

Wo bekomme ich den echten Auszug aus dem Strafregister?

Eine Strafregisterbescheinigung (früher: Leumunds-, Führungs- oder Sittenzeugnis oder sogenanntes polizeiliches Führungszeugnis) gibt mit gewissen Einschränkungen Auskunft über bestehende Verurteilungen. Diese vom Staat ausgestellte Dokument kann nur von der Landespolizeidirektion (oder Landespolizeikommissariat) und dort, wo es diese nicht gibt, vom Gemeindeamt oder Magistrat ausgestellt werden. Im Ausland sind Botschaften und Konsulate dafür zuständig. In gedruckter Form kostet das Dokument insgesamt 30,70 Euro. Auf elektronischem Weg kostet es 25 Euro.

Piktogramm zum Thema "Polizei ist zuständig"

Polizei ist zuständig

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