Schiffscontainer mit Aufschrift Dropshipping Bild: Novikov Aleksej/Shutterstock

Dropshipping - Was ist das?

Haben Sie bei einem österreichischen Online-Shop bestellt und dann wochenlang auf die Lieferung warten müssen, weil das Paket dann aus dem Ausland kam? Dann haben Sie es wahrscheinlich mit Dropshipping zu tun. Wahrscheinlich haben Sie auch zu viel für Ihr Paket bezahlt. In diesem Artikel wird erklärt, was Dropshipping ist, wie man es erkennt und worauf man achten muss, bevor man eine Online-Bestellung aufgibt.

Susanne wollte Sneaker der Marke Nike auf der Website Solejungle bestellen. Die Webseite gehört offensichtlich einem spanischen Betreiber. Dass es kein Impressum gibt und die Schuhe auf den Bildern leicht anders aussehen als bei den Produktbildern von Nike selbst, war Susanne nicht aufgefallen. Wochen nach der Bestellung stellt sie fest, die Sneaker sind beim Zoll hängengeblieben und sie soll Steuern nachzahlen. Wenn sie gewusst hätte, dass die Ware aus China bestellt wird, hätte sie nicht auf dieser Webseite bestellt, schildert Mag. Reinhold Schranz vom EVZ Österreich eine soeben eingegangene Beschwerde.

Piktogramm zum Thema "Dropshipping"

Dropshipping

Wie Dropshipper werben und verkaufen

"Zwei zum Preis von einem" - "60 % Rabatt" - "Ergreifen Sie jetzt Ihre Chance, bevor es zu spät ist" - "Nur noch wenig Stück verfügbar". Sie geben eine Bestellung auf und denken, Sie hätten ein gutes Geschäft gemacht. Bis Sie herausfinden, dass das Paket aus China oder einem anderen Nicht-EU-Land kommt. Erst beim Nachforschen erkennt man, dass dasselbe Produkt bei AliExpress oder Wish für einen Bruchteil des Betrags zu haben wäre. In der Praxis tun Dropshipper oft nichts anderes, als im Namen der Kunden bei Online Marktplätzen wie etwa AliExpress, Wish oder Alibaba zu bestellen. Das ist kein Betrug, aber es fühlt sich manchmal so an.

 

Das Fehlen eigener Lager und Verkaufsräume wird von Dropshippern als Preisvorteil beworben. Man liefere direkt aus den Fabriken und könne daher den Kunden direkte Billigstpreise weitergeben. In der Praxis ist es aber so, dass ein Betreiber des Dropshipping Onlineshops mit der Fabrik gar nicht in Kontakt steht, auch nicht, wenn nicht plump AliExpress Bestellungen delegiert werden. Das Unternehmen im Hintergrund wie zB Shopyfy hat der Einzelperson, die den Onlineshop betreibt, ein Template für dessen Webshop und somit die technische und logistische Abwicklung vermietet, gibt Bestellungen an einen in der Regel dritten Vermittler in Fernost weiter, welcher wiederum bei lokalen Herstellern Großmengen einkauft und dann Container in den Westen versendet. Gefälschte oder minderwertige Produkte sind somit keine Seltenheit.

Die Dropshipping Szene

Derzeit sprießt eine Unzahl von fast identen Startups aus dem Boden, die Drop Shipping Konzepte an Anfänger weiterverkaufen und deren Unternehmergeist und Startup Träume bedienen möchten.

Geworben wird mit Gratiszugang oder geringen Gebühren (wie etwa 30$ monatlich beim Marktführer Shopify, der mittlerweile für 1 Million Dropshipper vermittelt). So ein Nebenerwerb verspricht durch einige Stunden Arbeit pro Woche mit dem selbst betriebenen Webshop ein lukratives Nebeneinkommen zu ermöglichen. Anfängerfreundlich und ohne besondere Kenntnisse und viel Aufwand soll man so zu tausenden Euros gelangen betonen informell gestaltete Werbevideos. Redselige Coaches verweisen in blumigen kumpelhaften Worten auf Erfolgsgeschichten blutiger Anfänger. Diese geben theatralisch positive Testimonials zum Konzept ab, danken darin den "Consultants" persönlich für die Befreiung von öden Brotjobs und möchten diese Freiheit mit Neueinsteigern „teilen“. Natürlich arbeiten diese Coaches nicht umsonst und nicht jeder hat Erfolg, wie Interessenten später merken werden. Mitunter wirken diese Promotions sektiererisch.

Werbung für angehende Dropshipper liest sich so: „Dein Weg in nur 12 Wochen zu mehr Freiheit durch einen Online Shop ohne eigene Produkte.“ Oder „Sie verkaufen - wir beschaffen und versenden für Sie!“ In diesem Phänomen haben die Betreiber eines solchen Webshops also weder Einfluss auf ihr gemietetes Geschäftskonzept, noch auch auf die Beschaffenheit der Ware und in der Regel auch gar keine Praxiserfahrung mit traditionellen Handelsgrundsätzen an sich.
Von einem funktionierenden Kundeservice braucht man hier also nicht auszugehen. Die Produkte stammen zum Großteil aus China, in mehreren Ebenen beteiligter Zwischenhändler und der Unerreichbarkeit der Hersteller außerhalb der EU verlieren sich allfällige Verbraucherforderungen.

Zölle und Abgaben

Bei Bestellungen aus Drittländern außerhalb der EU fallen bei Sendungen über 150 € Wert Einfuhrzölle an. Beim Warenwert über 22 € ist außerdem Mehrwertsteuer fällig. Der Online-Shop ist verpflichtet, Sie vor dem Kauf darüber zu informieren, dass der Lieferant seinen Sitz in einem Drittland hat und welche Gebühren und Kosten möglicherweise anfallen. Wenn Sie zum Zeitpunkt der Lieferung von den Zollgebühren unangenehm überrascht werden, können Sie das Paket ablehnen und haben Anspruch auf eine Rückerstattung des Kaufpreises. Der Online-Shop, bei dem Sie die Bestellung aufgegeben haben, ist für solche Rücksendungen und Rückerstattungen verantwortlich.

Piktogramm zum Thema "Zoll"

Zoll

Wie erkennt man Dropshipping Webseiten?

Die Dropshipping Methode wird auf solchen Webseiten meist nicht angegeben. Manchmal erwähnen Online-Shops, dass sie direkt bei einem Lieferanten bestellen, aber handelt es sich dabei um Dropshipping oder nicht? Woran erkennt man also Dropshipping? Achten Sie auf Folgendes:

  • Unklare oder lange Lieferzeiten

Dropshipping-Lieferanten sitzen oft in Asien. Deshalb dauert es oft Wochen bis hin zu Monaten, bis die Bestellung ankommt. Da Online-Shops keine Kontrolle über die Lieferzeiten haben, wird gar nicht oder nur vage über Lieferzeiten informiert.

  • Angabe einer Privatadresse

Führt die Website eine Privatadresse an, etwa für die Rücksendung von Paketen? Dann handelt es wohl um ein Dropshipping-Geschäft. Prüfen Sie die Adresse mit Google Maps.

  • Keine Original-Produktbilder

Online-Shops, die mit Dropshipping arbeiten, verwenden oft keine Original-Produktbilder sondern nehmen einfach die der Wiederverkäuferplattformen. Vergleichen Sie das Produktbild des Webshops mit etablierten Marketplaces wie z. B. AliExpress, Alibaba oder Wish und prüfen Sie ob sie dasselbe Bild dort vorfinden.

  • Sprachliche Fehler

Oft sind die Produktbeschreibungen schlecht aus dem Englischen übersetzt. Seien Sie also aufmerksam, wenn Sie über seltsame Satzstrukturen und Sprachfehler stolpern.

Regeln für die Garantie

Wenn Sie eine Bestellung bei einem Online-Shop aufgeben, gehen Sie einen Vertrag mit diesem ein. Beim Dropshipping ist der Vertragspartner der Dropshipper (Online-Shop), nicht der Lieferant. Der Dropshipper ist dafür verantwortlich, ein gutes Produkt zu liefern und muss die gesetzlichen Rückgabe- und Gewährleistungsregeln einhalten. Dies sind die wichtigsten Regeln:

  • Sie können die Bestellung innerhalb der 14-tägigen Bedenkzeit zurückgeben.
  • Der Online-Shop ist nicht verpflichtet, Ihnen eine inländische Rücksendeadresse zu nennen. Der Dropshipper kann die Adresse des Lieferanten für Paketrücksendungen angeben. Bitte beachten Sie: Der Online-Shop muss dies beim Verkauf erwähnt haben. Er muss auch die Kosten für die Rücksendung der Bestellung im Voraus deutlich angeben. Solche Kosten und Gebühren können durchaus erheblich sein!
  • Haben Sie ein defektes Produkt erhalten? Oder ist das Produkt innerhalb der Garantiezeit kaputt gegangen? Dann muss der Online Shop eine Lösung anbieten und darf sich nicht hinter dem Lieferanten verstecken.

Die größten Nachteile von Dropshipping

  • Keine Zuverlässigkeit der Produkte

Produkte von außerhalb der EU, die in der EU verkauft werden, müssen den europäischen Produktanforderungen entsprechen. Dropshipper sehen und kontrollieren die Produkte, die sie verkaufen, in den meisten Fällen gar nicht und können gute Qualität nicht garantieren. Wundern Sie sich nicht, wenn gefälschte, unsichere oder minderwertige Produkte geliefert werden.

  • Lange Lieferzeiten

Durch die europäische Fassade des Webshops gehen Kunden von einer schnellen Lieferung aus. Viele Dropship-Marktplätze und -Lieferanten befinden sich im Ausland, hauptsächlich in Asien, was bedeutet, dass Sie lange Lieferzeiten erwarten können. Wochen, manchmal sogar Monate.

  • Sie zahlen zu viel

Das Verdienstmodell des Online-Shops, der als Zwischenhändler fungiert, ist die Preisspanne, die auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird. Der Preis wird also höher sein, als wenn Sie direkt auf Marktplätzen wie AliExpress, Alibaba oder Wish bestellen.

Piktogramm zum Thema "Vorsicht"

Vorsicht

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