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Oranger Regiojet und gr√ľner Flixbus Fernbus vor einem tschechischen Bahnhofsgeb√§ude
Fernbusse verschiedener Anbieter treffen aus Wien kommend in Prag ein. Bild: Matej Knezevic / Shutterstock

Ihre Rechte auf Busreisen

, aktualisiert am

Reisen mit dem Fernbus als Alternative zu Zug oder Flug sind beliebte Alternativen. Aber was kann ich tun, wenn der Bus im Stau steckt, ausf√§llt oder gar einen Unfall hat? Die Regelung √ľber Anspr√ľche bei Fernbusreisen sind in der EU Busgastrechte-Verordnung genau bestimmt.

    Die EU Busgastrechte-Verordnung  [VO (EU) Nr. 181/2011] regelt:

    • Informationspflichten der Betreiber gegen√ľber Fahrg√§sten
    • Rechte bei Versp√§tung oder Annullierung
    • Rechte bei Verlust/Besch√§digung von Gep√§ck
    • Rechte von behinderten Menschen und Personen mit eingeschr√§nkter Mobilit√§t
    • Rechte im Todesfall oder bei¬†K√∂rperverletzung
    Blaues Piktogramm zeigt Seite mit Text und Paragraph Symbolen

    Klare EU Bestimmungen

      Anwendbar ist die Verordnung, wenn bei der Busfahrt¬†folgende 3 Punkte erf√ľllt sind:

      1. Es handelt sich um eine¬†Linienbusfahrt mit festgelegtem¬†Fahrplan, festgelegter Strecke und festgelegten Haltestellen¬†oder um eine Reisebusfahrt. Bei einer Reisebusfahrt hat der Auftraggeber die Bef√∂rderung einer vorab gebildeten¬†Fahrgastgruppe organisiert. Eine Busfahrt √ľber eine Mitfahrb√∂rse oder √§hnliches¬†f√§llt nicht darunter.
      2. Die gefahrene Strecke startet in der EU oder kommt in der EU, Liechtenstein, Norwegen oder Island¬†an.¬†Eine Grenz√ľberschreitung ist dabei nicht notwendig.
      3. Die planm√§√üige Wegstrecke betr√§gt mindestens 250km. Bei k√ľrzeren Strecken gilt √∂sterreichischer Recht, aus dem sich eventuell Schadenersatzanspr√ľche bei Verschulden durch das Busunternehmen ergeben.¬†

      Wichtiges zum 250 km Limit:

      • Personen mit Behinderungen oder eingeschr√§nkter Mobilit√§t haben laut Verordnung auch unter 250km Wegstrecke Anspruch auf Ersatzbef√∂rderung ohne Aufpreis, auf Entsch√§digung f√ľr Besch√§digung/Verlust von Rollst√ľhlen und anderen Mobilit√§tshilfen sowie ein allgemeines Informationsrecht.
      • Beachten Sie, dass auf h√§ufig befahrene Busverbindungen aus √Ėsterreich wegen k√ľrzeren¬†Wegstrecken unter 250km, wie zum Beispiel Wien-Budapest, Wien-Bratislava, Klagenfurt-Lignano, Innsbruck/Salzburg-M√ľnchen oder Graz-Ljubljana, die Mindestentfernung nicht gegeben ist und die Verordnung deshalb auf diesen k√ľrzeren Strecken¬†nicht gilt!

        Verspätung, Überbuchung, Annullierung

        Wenn sich die Abfahrt¬†(nicht Ankunftszeit!) um 2 Stunden verz√∂gert, ausf√§llt oder √ľberbucht ist, sodass Sie keinen Sitzplatz bekommen, steht Ihnen zur Wahl, ob Sie

        1. eine vom Busbetreiber angebotene Alternativbeförderung zum Zielort unter vergleichbaren Bedingungen akzeptieren
          oder
        2. nicht fahren und stattdessen den¬†Ticketpreis¬†zur√ľckbekommen.

        Wichtig:

        • Sofern sich die Unterbrechung w√§hrend der Reise ergibt (Bus hat Unfall, Panne o.√§.) und Sie dabei die R√ľckerstattung des Tickets w√§hlen, so haben Sie auch Anspruch auf kostenlosen R√ľcktransport zum urspr√ľnglichen Abfahrtsort.
        • Haben Sie der Ersatzbef√∂rderung zum Zielort zugestimmt, so bekommen Sie Ihr Ticket nicht erstattet.
        • Wenn Sie wegen der Busversp√§tung oder Annullierung Ihren Anschlussflug, -zug o.√§. verpasst haben, steht Ihnen nur dann Geldersatz f√ľr die verpasste Weiterreise zu, wenn beide Reiseteile zusammen gebucht worden waren. Das Busunternehmen haftet also nicht f√ľr Buchungen, die Sie separat von der Busfahrt bezahlt hatten.
        Piktogramm zeigt einen Autobus von vorne auf dunkelrotem Hintergrund

        Probleme beim Fernbusfahren

        Informations- und Betreuungsleistungen

        Im Falle einer Annullierung oder Versp√§tung m√ľssen Sie so rasch wie m√∂glich, sp√§testens 30 Minuten nach der fahrplanm√§√üigen Abfahrtszeit √ľber die Sachlage und die voraussichtliche Abfahrtszeit informiert werden.¬†

        Eine angebotene Alternativbeförderung zum Ziel muss Ihnen ohne Aufpreis angeboten werden.

        Vers√§umen Sie einen Anschluss f√ľr Ihre Weiterreise, m√ľssen Sie √ľber Alternativen informiert werden.

        Bei einer Fahrt mit planm√§√üiger Dauer von √ľber drei Stunden, bei der es zu einer Annullierung oder zu einer Verz√∂gerung der Abfahrt von mehr als 90 Minuten kommt, stehen Ihnen Imbiss und Erfrischungen zu.

        Wenn eine √úbernachtung notwendig wird und keine Naturkatastrophe oder extreme Wetterbedingungen vorliegen, so muss Ihnen eine Unterbringung und ein Transport dorthin organisiert werden. Der Bef√∂rderer hat hier H√∂chstkosten von 80 ‚ā¨uro pro Nacht zu decken und muss maximal 2 √úbern√§chtigungen leisten.

        Gr√ľnes Piktogramm zeigt Hamburger und Getr√§nkebecher mit Strohhalm

        Speisen und Getränke

        Probleme mit dem Gepäck

        Entsch√§digung f√ľr verlorenes oder besch√§digtes Reisegep√§ck ist in der EU-Verordnung nur bei Unf√§llen definiert. Die H√∂he der Entsch√§digung bei Gep√§ck oder bei Verletzung, wird nach nationalem Recht berechnet, wobei laut Verordnung bestimmte Betr√§ge nicht unterschritten werden d√ľrfen.¬†Sie haben nach √∂sterreichischem Schadenersatzrecht Anspruch auf Entsch√§digung, sofern das Busunternehmen ein Verschulden trifft. Wenn w√§hrend eines Unfalls das Gep√§ck verschwindet oder kaputt geht, sollten Sie den Schaden dem Fahrer / der Fahrerin und der Polizei melden. Dem Busunternehmen sollten Sie schriftlich den Zeitwert von Gep√§ckst√ľck und Inhalt bekannt geben

        Rotes Piktogramm zeigt Koffer mit eingedelltem Eck

        Gepäck beschädigt

        Panne, Unfall - Fahrt wird abgebrochen

        Geparkter frontal beschädigter Bus steht auf Landstraße, Passagiere stehen rechts davon, zwei Polizisten protokollieren den Unfallhergang
        Bild: Radim Strojek / Shutterstock

        Wenn die Busfahrt wegen einer Panne oder anderen Gr√ľnden die Weiterfahrt nicht durchf√ľhren kann, haben Sie Anspruch auf eine Ersatzbef√∂rderung.¬†Wenn keine gleichwertige Weiterreise angeboten wird, so k√∂nnen Sie

        1. sich kostenlos zum Ausgansgort zur√ľckbringen lassen und den Fahrpreis zur√ľck fordern¬†
          oder
        2. eine vergleichbare Bef√∂rderung¬†zum urspr√ľnglichen Vertragszielort selbst organisieren und die Kosten daf√ľr vom Busunternehmen fordern.

        Von der Unfallstelle oder der Stelle der Panne m√ľssen Sie zumindest zum n√§chsten Bahnhof oder einen vergleichbaren Ort bef√∂rdert werden, von welchem aus Sie weiterfahren k√∂nnen. Wenn n√∂tig, haben Sie auch hier Anspruch auf eine angemessene Verpflegung und √úbernachtung (Kosten√ľbernahme bis 80 ‚ā¨ pro Nacht). Das gilt unabh√§ngig davon, ob der Betreiber am Unfall schuld ist.

        Wenn Sie sich f√ľr eine selbst organisierte Weiterreise entschieden haben: Es muss sich um eine vergleichbare Transportmittel zu √§hnlichen Kosten handeln. Am leichtesten bekommen Sie fremde Zug- oder Bustickets erstattet, eine Taxirechnung nur dann, wenn es gar keine andere M√∂glichkeit gab, zum Beispiel nachts.

        Erweiterte Rechte f√ľr Personen mit eingeschr√§nkter Mobilit√§t

        Behinderte Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität haben Anspruch auf Ersatzbeförderung ohne Aufpreis. In zwei Fällen darf die Ausstellung eines Tickets bzw. die Beförderung allerdings verweigert werden:

        • um geltenden Sicherheitsanforderungen nachzukommen.
        • wenn es wegen der Bauart des Fahrzeugs oder der Infrastruktur nicht m√∂glich ist, Einstieg, Ausstieg oder Bef√∂rderung durchzuf√ľhren.
        Piktogramm auf rundem dunkelblauen Hintergrund zeigt EU Ausweiskarte eines Rollstuhlfahrers

        Reisen mit eingeschränkter Mobilität

        Geschieht dies, so k√∂nnen Sie verlangen, von einer Person Ihrer Wahl begleitet zu werden, damit diese Ihnen die ben√∂tigte Hilfe leisten kann und die oben angef√ľhrten Gr√ľnde der Bef√∂rderungsverweigerung nicht mehr zutreffen. Die Begleitperson muss kostenlos bef√∂rdert werden.

        Sollten Sie Hilfeleistungen an Busbahnh√∂fen und an Bord des Busses in Anspruch nehmen wollen, m√ľssen Sie dies dem Bef√∂rderer, Busbahnhofbetreiber, Reisevermittler oder Reiseveranstalter sp√§testens 36 Stunden vor dem Zeitpunkt, zu dem die Hilfeleistung ben√∂tigt wird, melden.

        Sollten Sie spezielle Sitzgelegenheiten ben√∂tigen, m√ľssen Sie dies direkt bei der Reservierung oder dem Kauf bekannt geben.

        Wird Ihnen die Beförderung trotz Einhaltung der Fristen und Vorweisen eines Fahrscheins verweigert, können Sie zwischen folgenden Möglichkeiten wählen:

        • Erstattung des Fahrpreises
        • sofern machbar, alternative Weiterreise (falls n√∂tig mit einem anderen Verkehrsdienst und auf einer anderen Strecke)

        Sollte Ihre Mobilit√§tshilfe (Rollstuhl o.√§.) verloren gehen oder besch√§digt werden, muss der Bef√∂rderer bzw. Busbahnhofbetreiber daf√ľr aufkommen. Die H√∂he der Entsch√§digung muss dabei dem Wiederbeschaffungswert bzw. den Reparaturkosten entsprechen. Au√üerdem haben Sie Anspruch auf raschen vor√ľbergehenden Ersatz f√ľr die besch√§digte oder verloren gegangene Mobilit√§tshilfe.

        Handlungsempfehlungen und tiefergehende Informationen

        • Bei Versp√§tungen m√ľssen Sie f√ľr eine sp√§tere Geldforderung die Abfahrtsversp√§tung nicht vor Ort abwarten, wenn sie die angek√ľndigte Versp√§tung von mindestens 120 Minuten¬†dokumentieren. Das¬†kann z.B. eine Emailverst√§ndigung durch das Busunternehmen √ľber die Versp√§tung sein. Zum Beispiel f√ľhrt der gr√∂√üte Busbetreiber Flixbus auf seiner Webseite alle Abfahrtsversp√§tungen an. Sie k√∂nnen dort auch nachtr√§glich die Busnummer eingeben und¬†einen Screenshot von der realen Abfahrtszeit machen.
        • Wenn Sie Ihr Busticket direkt am Schalter gekauft haben, ist es gut sich zus√§tzlich per Email als Kunde zu registrieren, um im Falle einer Verst√§ndigung informiert zu werden. F√ľr den Versp√§tungsnachweis machen Sie ein Foto von der angezeigten Versp√§tung am Abfahrtsdisplay des Busbahnhofs.
        • Grunds√§tzlich m√ľssen Sie Ihre Beschwerde immer bei dem Busunternehmen einbringen, das die Bef√∂rderung durchgef√ľhrt hat oder durchf√ľhren h√§tte sollen.¬†Achtung: Ihre Beschwerde muss innerhalb von drei Monaten eingereicht werden! Oft bieten Busunternehmen auf ihrer Website oder am Ticketschalter auch direkt die M√∂glichkeit, ein Beschwerdeformular auszuf√ľllen.¬†Der Beschwerde sollten Kopien von Fahrscheinen oder Rechnungen beigelegt sein.
        • Eine Erstattung der Ticketkosten muss das¬†Busunternehmen binnen 14 Tagen durchf√ľhren. Weisen Sie auf diese Frist in Ihrer Beschwerde an das Busunternehmen hin!
        • Wenn der Bef√∂rderer Ihnen weder die Weiterreise mit ge√§nderter Streckenf√ľhrung noch die Erstattung des Fahrpreises anbietet,¬†k√∂nnen Sie zus√§tzliche 50% des Ticketpreises als Entsch√§digung verlangen.
        • Haben Sie durch die Annullierung oder Versp√§tung der Busfahrt Ihren Anschlussflug oder -zug verpasst, steht Ihnen nur dann Ersatz f√ľr die verpasste Weiterreise zu, wenn es sich um eine zusammenh√§ngende Buchung handelt. F√ľr separat¬†gebuchte¬†Leistungen muss das Busunternehmen nicht einstehen.
        • Wertsachen (Laptop, Kameras, Bargeld, Schmuck) sollten Sie im Handgep√§ck bef√∂rdern und stets ein Auge darauf haben.
        • In jedem EU Mitgliedsstaat gibt es eine unabh√§ngige Beschwerdestelle mit der Befugnis, ein Busunternehmen zu sanktionieren. In √Ėsterreich √ľbernimmt die¬†Agentur f√ľr Passagier- und Fahrgastrechte (apf)¬†diese Aufgabe. Da die apf f√ľr die Durchsetzung der Verordnung zust√§ndig ist, k√ľmmert sie sich um Fernbus-Reisende (mind. 250 km). Alternativ k√∂nnen Sie sich bei grenz√ľberschreitenden Beschwerden auch an das¬†EVZ¬†wenden oder bei nationalen F√§llen an den¬†Verein f√ľr Konsumenteninformation (VKI). Unser Beschwerdeformular finden Sie unter diesem¬†Link.
        Piktogramm auf rundem hellgr√ľnen Hintergrund zeigt Sprechblase mit Ausrufezeichen

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