Displayboard Flughafen Delayed in roter Schrift, Eines der häufigsten Probleme auf Flugreisen sind Verspätungen. Ab einer gewissen Verspätungsdauer müssen Fluglinien diverse Leistungen erbringen.  |   Bild: wavebreakmedia / Shutterstock

Flugverspätung - Was steht mir zu?

Die Regelung über Ansprüche bei Verspätungen sind in der Fluggastrechteverordnung (EG Nr.261/2004) genau bestimmt. Abhängig von der  Länge der Flugstrecke und der Dauer der Verspätung, stehen Betreuungsleistungen und entweder schnellstmögliche anderweitige Beförderung oder finanzielle Entschädigung zu.

Bei welchen Flügen habe ich überhaupt Ansprüche?

Die EU Verordnung deckt alle Flüge ab, die

  1. entweder von einem Flughafen auf EU Gebiet abfliegen, unabhängig davon wo die Fluglinie ihren Sitz hat
  2. oder von außerhalb kommend in der EU landen, aber nur wenn die Fluglinie ihren Sitz in der EU hat
  3. und nur für Reisen, für die noch keine Ersatzleistungen durch die Fluglinie nach den Gesetzen eines Nicht-EU Landes geboten wurden.

Diese Vorschriften gelten im ganzen europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Dieser beinhaltet alle 27 EU Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen. Die Verordnung gilt ebenso für die Schweiz und Liechtenstein und in außerterritorialen europäischen Gebieten wie Guadeloupe, Französisch-Guayana, Martinique, Réunion, Mayotte, Saint Martin (Französische Antillen), den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln. Die Ausnahme sind die Färöer Inseln, hier gilt die Verordnung nicht.

Piktogramm zum Thema "Klare EU Bestimmungen"

Klare EU Bestimmungen

Welche Fluglinie ist zuständig?

Flugticket, Boardingpass und Reisepass Flugunterlagen geben Auskunft über Flugcode und welche Airline den Flug ausführt  |  Bild: Pixeljoy / Shutterstock

Es kommt immer öfter vor, dass Hin- und Rückflug oder sogar beide Flüge von einer anderen als der Fluggesellschaft durchgeführt wird, bei der Sie gebucht haben.

Bei Verspätungen ist es immer die ausführende Fluglinie (operating carrier), an die man sich mit Ansprüchen wenden muss. Hin- und Rückflug gelten immer als zwei eigenständige Flüge, auch wenn sie zusammen gebucht wurden.

 

Dies kann sein, wenn eine Fluglinie die Maschine und das Personal einer anderen Fluglinie mietet (sogenanntes "Wet-Lease") oder wenn die Fluggesellschaften sich einen Linienflug teilen (sogenanntes "Code-Sharing") oder wenn Sie über eine Buchungsplattform gebucht haben. Um zu prüfen, ob das vertragliche und das ausführende Luftfahrunternehmen unterschiedlich sind, können Sie in den Flugunterlagen nachsehen. Meist ist der jeweilige Flug mit "operated by"  oder "durchgeführt durch" mit dem Namen der ausführenden Fluglinie angegeben.

Sie erkennen auch anhand der Flugnummer (IATA Code) bestehend aus 1-3 Buchstaben und 3-4  Zahlen welche Fluglinie die ausführende Fluggesellschaft für den jeweiligen Flug ist (z.B. LH = Lufthansa, OS = Austrian Airlines, OE= Laudamotion usw.).
Achtung: verwechseln sie den Flug-Code nicht mit einem Buchungscode, den Sie auf einer Buchungsplattform (z.B.Opodo oder GoToGate) erhalten. Sie können Flugnummern auf dieser Webseite überprüfen.

Informationspflicht und Betreuungsleistungen

Bei einer Abflugverspätung ab zwei Stunden haben Sie Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten oder Snacks, Erfrischungen und bei Bedarf auf zwei kostenlose Telefonate oder E-Mails. Die Airline sollte Sie am Abfertigungsschalter oder Flugsteig über Ihre Rechte informieren (z.B. Informationsblatt).

Wenn der Flug auf den nächsten Tag verlegt wird, steht Ihnen kostenloser Transfer (hin & retour) zu einer kostenfreien Hotelunterkunft zu.

Piktogramm zum Thema "Speisen und Getränke"

Speisen und Getränke

Das Ausmaß der Betreuungsleistung hängt laut Verordnung von Ihrer Wartezeit und der Länge Ihrer Flugstrecke ab. Bei Kurzstrecken fällt auch ins Gewicht, ob der Flug nur im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR Länder siehe oben) stattfindet. In der Praxis händigen Airlines meist Gutscheine für Flughafenrestaurants aus. Manchmal wird aber auch nichts angeboten und Wartende werden nicht über zustehende Ansprüche informiert. Deshalb fehlen dann oft die nötigen Belege über Ausgaben, die man während der Wartezeit gehabt hat. Heben Sie also alle Belege für solche Restaurant-, Taxi- oder Hotelkosten auf! Anspruch auf Betreuungsleistungen haben Sie nur, wenn Wartezeit und Flugdistanz in eine der vier folgenden Kategorien fallen.

  • Kurzstrecke (bis zu 1.500 km) erst ab 2 Stunden Verspätung 
    (z.B. Kiev - Wien)
  • Kurzstrecke innerhalb des EWR (bis zu 1.500 km) erst ab 3 Stunden Verspätung
    (z.B. Graz - Madrid)
  • Mittelstrecke (zwischen 1.500 und 3.500 km) erst ab 3 Stunden Verspätung
    (z.B. Innsbruck - Ankara)
  • ab 4 Stunden Verspätung ist Länge der Flugstrecke egal

Bei mehr als 5 Stunden Verspätung muss eine Airline den Wartenden die Möglichkeiten der vollständige Rückerstattung der Ticketkosten zur Auswahl stellen, wenn diese Passagiere den Flug nicht mehr antreten möchten, weil der Zweck ihrer Reise wegen der Verspätung sinnlos wurde.

Wenn die Fluggäste in diesem Fall bereits einen Teil der Flugreise absolviert haben (z.B. wenn es sich um einen Gabelflug mit Umsteigen handelt), muss die Airline auch den Rückflug zum Ausgangsflughafen zum frühestmöglichen Zeitpunkt kostenfrei zur Verfügung stellen.

Geldentschädigung

Erst ab drei Stunden Verspätung bei der Ankunft am Zielflughafen muss eine Fluglinie eine finanzielle Ausgleichszahlung leisten, bei kürzeren Verspätungen nicht. Die Höhe der Entschädigung pro Person beträgt

  1. 250 € bei Kurzstrecken (1500km)  
  2. 400 € bei Mittelstrecken (3500km) 
  3. 600 € bei Langstrecken (über 3500 km) aber nur wenn Flug über den EWR Raum hinausgeht

Bei Langstreckenflügen (über 3.500 km) darf eine Ausgleichszahlung auf 300 € halbiert werden, wenn die Ankunftszeit weniger als vier Stunden später als im ursprünglichen Flugplan war.

Piktogramm zum Thema "Entschädigung durch Fluglinie"

Entschädigung durch Fluglinie

Wann muss die Airline nicht zahlen?

Wenn ein sogenannter außergewöhnlicher Umstand eintritt, muss die Airline keine finanzielle Entschädigung leisten, die sie sonst ab 3 Stunden Verspätung erbringen müsste. Außergewöhnliche Umstände können zum Beispiel Sturm, Naturkatastrophen, Streiks, die nicht das eigene Personal der Fluggesellschaft betreffen, terroristische Gefahr, Blitzeinschlag, Vogelschlag („Bird Strike”), medizinische Notfälle oder nachgewiesene Herstellungsfehler am Flugzeug sein. Die oben erwähnten Betreuungsleistungen bei Verspätungen ab zwei Stunden müssen aber sehr wohl erbracht werden.

Piktogramm zum Thema "Außergewöhnlicher Umstand"

Außergewöhnlicher Umstand

Was soll ich am Flughafen machen?

  • Am Schalter oder per Anruf bei Airline Ansprüche geltend machen: Sprechen Sie Mitarbeiter der Airline an und machen Sie Ihre Ansprüche geltend, die Sie ab 2 Stunden Verspätung haben. Laut Verordnung müsste eigentlich das Personal auf Sie zukommen und Sie über Ihre Rechte aufklären.
  • Bodenpersonal der zuständigen Airline nach Bestätigung fragen: Lassen Sie sich vor Ort die Verspätung schriftlich bestätigen. Der konkrete Sachverhalt, wie etwa der mitgeteilte Grund für die Verspätung sollte enthalten sein. Wird Ihnen das verweigert, bitten Sie andere Mitreisende die Situation schriftlich zu bestätigen. Sie können den Mitreisenden anbieten das gleiche für sie zu tun. Vermerken Sie die reale Abflugzeit.
  • Ihre Ausgaben in der Wartezeit dokumentieren: Falls Sie von der Fluglinie keine Betreuungsleistungen erhalten, heben Sie Belege über konsumierte Mahlzeiten oder Erfrischungen und bei Übernachtung die vom Hotel, und Taxi auf!
  • Screenshot bei Online-Beschwerde: Falls Sie online ein Beschwerdeformular der Airline ausfüllen, sollten Sie vor dem Absenden Ihrer Eingaben zur Sicherheit ein Bildschirmfoto machen.
Piktogramm zum Thema "Flugverspätung was nun?"

Flugverspätung was nun?

Wer kann mir helfen?

Es gibt etliche profitorientierte Fluggastrechteportale (euflight, fairplane, flugrecht.de, ersatzpilot.de, flightright, flug-verspaetet.de, compensation2go, WkdF, Airhelp usw.), die für Sie den Anspruch bei der Fluglinie geltend machen. Solche "Legal-Tech" Unternehmen fordern Provisionen zwischen einem viertel bis zur Hälfte des Streitwertes und nehmen in der Regel juristisch nur einfach zu lösende Fälle an. Zudem lehnt die größte europäische Fluglinie Ryanair Ansprüche durch Legal Tech Unternehmen in seinen AGBs grundsätzlich ab.

Somit kann man sich die Provision ersparen. Wir empfehlen stattdessen zuerst selbst eine Beschwerde an die Fluglinie zu richten, indem sie das offizielle Fluggastrechteformular der EU oder unseren Musterbrief (siehe Downloads) an die Fluglinie senden.

Wenn die Airline auf diese Beschwerde hin den Ansprüchen 2 Monate lang nicht nachkommt, können Sie staatliche Schlichtungsstellen oder von der EU eingerichteten Einrichtungen wie die Europäischen Verbraucherzentren beauftragen. Diese unterstützen Sie kostenfrei, sofern Ihre eigene schriftliche Beschwerde erfolglos war:

Kontaktieren Sie

  • EVZ (bei ausländischen EU Fluglinien) 
  • APF (Flug muss Österreichbezug haben)
  • Ombudsstelle (in- und ausländische EU Fluglinien)
  • Verbraucherschlichtung (wenn andere Schlichtungsstellen nicht zuständig sind)
  • VKI (nicht kostenfrei: bei inländischen Fluglinien und ausländischen Nicht-EU Flügen mit Österreichbezug)

Links

Distanzrechner für Flugentfernungen
https://www.luftlinie.org/

Webseite Flightera zum Überprüfen von Flugnummern
https://www.flightera.net/

Beschwerde bei Ombudsstelle.at einbringen
https://www.ombudsstelle.at/beschwerde-einreichen/

Schlichtungsantrag bei APF einbringen
https://www.apf.gv.at/de/beschwerde-flug.html

Schlichtungsantrag bei Verbraucherschlichtung.at einbringen
https://portal.verbraucherschlichtung.at/cm/fileadmin/adrapp/page/adrWelcome.php

Diesen Beitrag teilen

Sozialministerium
VKI
EU
ECC
DATENSCHUTZ IST UNS WICHTIG!

Bitte erteilen Sie uns die Zustimmung, Ihre Daten zur internen Analyse zu verwenden. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung.